Architektur mit Feingefühl

Wie verbindet man jahrhundertealte Bausubstanz mit den Anforderungen des modernen Brandschutzes? Architekt Janek Brinkmann hat den Umbau der Klosteranlage St.Katharinental bei Diessenhofen geleitet – ein Projekt, das historische Sensibilität, technisches Know-how und kreative Präzision vereint.

Bild: Olivier Brandes

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Janek Brinkmann, Sie haben den Umbau der Klosteranlage St.Katharinental als Architekt geleitet. Welche Komponenten gehörten zu diesem Auftrag?

Zum Gesamtprojekt gehörten drei separate Teilprojekte. Zwischen 2021 und 2023 sanierten wir das Gästehaus und anschliessend die Patientenzimmer im Klostergebäude. Beim Klostergebäude gestalteten wir zudem den Haupteingang und Rezeption der Klinik neu – in Zusammenarbeit mit Bach Heiden und weiteren Partnerfirmen. Ab 2024 folgte die brandschutztechnische Ertüchtigung des Klosterkonvents, der den ebenfalls neu gestalteten Klostergarten rechteckig umschliesst.

Wie geht man bei einer solchen Aufgabe vor?

Die Anforderungen bei einem historischen Gebäude sind komplex und sehr hoch. Alle Massnahmen mussten wir eng mit der Denkmalpflege, der kantonalen Gebäudeversicherung und den Nutzern abstimmen. Besonders wichtig war uns, im dreigeschossigen Konvent den vollständigen Rundgang wiederherzustellen – also die Korridore freizuspielen, die seit den Umbauten der 1970er-Jahre durch Türen unterbrochen waren. Gleichzeitig mussten wir die Brandschutzabschnitte so planen, dass die Treppenhäuser abgeschlossen werden können.

Wie gestaltete sich die Lösungsfindung?

Auf den oberen Etagen war die Umsetzung etwas einfacher, da wir bei den Brandschutztoren auf bestehende rahmenlose Produkte von Bach Heiden zurückgreifen konnten. Das Kreuzgewölbe im Erdgeschoss war eine grössere Knacknuss. Dort wollten wir den Charakter des Rundgangs mit den steinernen Bögen so weit wie möglich bewahren – und gleichzeitig die klimatischen Anforderungen erfüllen. Der Wind sollte nicht ungehindert durchs Gebäude ziehen. Wir brauchten also eine Windbarriere, ohne die räumliche Durchsicht zu verlieren. Glas bot sich als Material an, aber es musste ästhetisch und technisch perfekt integriert werden. Die Lösung haben wir in enger Zusammenarbeit mit Bach Heiden eigens für diesen Zweck entwickelt.

«Wir brauchten eine Windbarriere, ohne die räumliche Durchsicht zu verlieren.»

Und – lässt sich das Resultat sehen?

Ja! Es ist eine ästhetisch überzeugende Lösung, die dem historischen Bau mit Respekt begegnet – das hat auch die Denkmalpflege bestätigt. Die neuen Brandschutztüren im Erdgeschoss fügen sich harmonisch in die Steinbögen ein und nehmen im feinen Holzrahmen das Material des Eingangsbereichs und der historischen Zimmertüren auf. Was man kaum vermuten würde: Unter den Holzportalen steckt ein Stahlgerüst. Und darin sind alle technischen Komponenten für das automatische Öffnen und Schliessen verbaut.

Wo bleibt bei so vielen Auflagen die Kreativität?

Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden braucht es besonders viel Kreativität.  Es ist ein sehr spannender Prozess, die historische Bausubstanz zu analysieren, und darauf aufbauend neue Lösungen zu entwickeln. Über die Jahrhunderte hat St.Katharinental viele Nutzungen erlebt – als Kloster, Armenhaus, Psychiatrie und sogar als Unterkunft für Kriegsgefangene. Heute ist es eine Rehabilitationsklinik. Jede dieser Phasen hat Spuren hinterlassen, und trotzdem bleibt der ursprüngliche Charakter des Klosters spürbar. Diese Ruhe und Kraft wollten wir unbedingt erhalten.

Wie bringt man die zwei Welten – Kloster und Klinik – in Einklang?

Ich habe mich schon mehrere Jahre vor dem Umbau intensiv mit der Anlage beschäftigt. Wichtig war zu verstehen: Eine Rehabilitationsklinik ist kein Akutspital. Das heisst, der technische Aufwand ist weniger komplex. Es ging aber darum, den Charakter des Klosters mit den Bedürfnissen einer Rehabilitation zu verbinden. Wie man das schafft? Mit einer detaillierten Analyse des Bestandes und daraus abgeleiteten Massnahmen. In diesem Fall mit klaren Formen, ruhigen Oberflächen und natürlichen Farben. Mit einer dezenten Gestaltung und mit einem auf die bestehenden Elemente abgestimmten Materialisierungsprozess. So entsteht eine Welt, die den alten Mauern Respekt zollt.

«Die Lösung haben wir in enger Zusammenarbeit mit Bach Heiden eigens für diesen Zweck entwickelt.»

Finden Sie ein solches Projekt genauso spannend wie einen Neubau?

Ja, absolut – auch wenn es viel anspruchsvoller ist. Beim Neubau kann man die «Regeln» selber definieren, überspitzt gesagt, aus der Schublade planen. Bei einem Umbau tauchen ständig unvorhergesehene Herausforderungen auf. Man entdeckt beispielsweise, dass die Wand- oder Bodenaufbauten anders beschaffen sind als angenommen. Was uns enorm geholfen hat: Zusammen mit Bach Heiden haben wir die neuen Türpositionen mit einem 3D-Laser digital erfasst. So konnten wir ein genaues Abbild generieren und sämtliche Bauteile millimetergenau planen – jedes davon ein Unikat.

Nach mehreren Jahren in diesen Klostermauern: Haben Sie einen persönlichen Bezug zu diesem Ort entwickelt?

Ja, definitiv. Über fünf Jahre durfte ich immer wieder im St.Katharinental arbeiten. Die Lage direkt am Rhein und die besondere Atmosphäre sind beeindruckend. Es ist für mich eine grosse Ehre, dazu beigetragen zu haben, dass diese Anlage auch in den kommenden 100 Jahren Bestand hat und genutzt werden kann.

Mehr zum Projekt

Janek Brinkmann (*1978) studierte Architektur an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus. Bereits während des Studiums absolvierte er ein Praktikum bei Boltshauser Architekten in Zürich. Nach seinem Abschluss kehrte er in die Schweiz zurück, arbeitete zunächst bei Jäger Zäh Architekten und wechselte später zu Ryf Partner / Ryf Scherrer Ruckstuhl, wo er Ende 2022 in die Geschäftsleitung eintrat. Von 2023 bis 2025 absolvierte er den berufsbegleitenden MAS Studiengang «Gesamtprojektleitung Bau» an der ETH Zürich. Seine Schwerpunkte liegen im Umbau und in der Sanierung historischer Bestandsgebäuden im Kontext der Denkmalpflege sowie im nachhaltigen Bauen mit natürlichen Materialien.