Die Grenzen des Machbaren ausloten

Der Campus Dreispitz der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel verbindet Flexibilität und höchste Anforderungen an Brand- und Schallschutz. Alexander Struck von E2A Architekten erklärt im Interview, weshalb grossformatige Brandschutzabschlüsse bereits in der frühen Planungsphase mitgedacht werden sollten.

Alexander Struck, Sie durften mit Ihrem Team den Neubau FHNW Campus Dreispitz in Basel realisieren. Was bedeutet dieses Projekt für Sie?

Es war aussergewöhnlich. Wir haben 2018 den Gesamtleistungswettbewerb gegen eine starke Konkurrenz aus Basel gewonnen – als Zürcher Büro. Einen Hochschulneubau realisiert man nicht alle Tage. Besonders freut uns, dass wir die architektonische Idee aus dem Wettbewerb konsequent bis zur Ausführung tragen konnten.

Die Hochschule steht inmitten ehemaliger Industriebauten. Welche Idee steckt hinter dem Gebäude?

Die spezielle städtebauliche Situation war eine zentrale Fragestellung. Das Gebäude hat nicht einen klassischen Eingang, sondern zwei Kopfsituationen mit zwei Aussenplätzen. Die Herausforderung bestand darin, diese beiden Eingänge räumlich und visuell miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig mussten wir mit einer Gebäudelänge von 135 Metern umgehen. Deshalb gliedern zwei Kerne das Gebäude zwar in drei Bereiche, ohne sie aber voneinander zu trennen. Es entsteht ein Geflecht von Sichtbeziehungen – die Architektur der Hochschule lebt von Offenheit und Transparenz.

Warum war Ihnen das wichtig?

Weil wir so den Austausch über verschiedene Jahrgänge und Disziplinen ermöglichen. Darum hiess unser Wettbewerbsprojekt «Ideenwerkstatt». Wir wollten eine offene Atmosphäre schaffen: Unterrichtsräume mit Glas, grosszügige Lernlandschaften und flexible Räume, die unterschiedlich genutzt werden können. Gerade Wirtschaft und Informatik sind Fachbereiche, die von Vernetzung und klaren Strukturen geprägt sind. Darauf wollten wir architektonisch antworten.

Welche Herausforderungen brachte dieses Konzept mit sich?

Die Offenheit musste mit den Anforderungen an Brand- und Schallschutz vereinbart werden. Genau deshalb haben wir Bach Heiden bereits in einer sehr frühen Projektphase beigezogen. Wir kannten das Unternehmen aus früheren Projekten und wussten, dass die Kompetenz vorhanden ist, solche grossen Brandschutzabschlüsse in einem ansprechenden Design zu entwerfen und umzusetzen. Die Kerne können im Normalbetrieb transparent und offen bleiben und sich im Brandfall zuverlässig schliessen.

«Diese Architektur lebt von Offenheit und Transparenz.»

Die Türen erreichen Dimensionen von bis zu vier Metern Höhe. Wie anspruchsvoll ist das?

Das ist eine grosse Herausforderung. Wir haben bei den Kernanlagen grösstenteils auf Rahmen verzichtet – die Türen schliessen direkt an den Rohbau an. Das stellt höchste Anforderungen an Massgenauigkeit und Koordination. Solche Lösungen funktionieren nur, wenn Architekten und Handwerksbetriebe früh gemeinsam die Grenzen des Machbaren ausloten.

Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit Bach Heiden überzeugt?

Entscheidend war, dass wir bereits in der Projektierung gemeinsam die Weichen stellen konnten und Bach Heiden später auch den Zuschlag erhielt. So liessen sich Schnittstellen sauber umsetzen. Die grossen Kerntüren und Auditorientüren empfinde ich als Pionierarbeit. Gerade heute werden aufgrund des Kostendrucks oft Standardlösungen bevorzugt. Umso schöner war es, gemeinsam mit einem engagierten Betrieb etwas Neues zu entwickeln. Das entspricht auch unserem Selbstverständnis: Wir möchten nicht nur Dienstleister sein, sondern als Architekten gemeinsam mit Handwerk und Industrie die Architektur weiterentwickeln.

Mehr zum Projekt

Alexander Struck (*1979) arbeitete nach seiner Lehre als Hochbauzeichner als wissenschaftlicher Assistent im Bereich Konstruktion und Entwurf an der Technischen Universität (TU) Dortmund. Danach sammelte er in verschiedenen Architekturbüros in Deutschland Erfahrung. 2008 erwarb Alexander Struck an der TU Dortmund sein Diplom für Architektur und Städtebau. Im Anschluss zog er nach Zürich, wo er seither bei E2A Architekten tätig ist. Seit 2017 ist er bei E2A in der Geschäftsleitung.